Dienstag, 27. Mai 2014

P H A N T O M H I P S T E R

„Ey, du bist ja voll der Hipster!“
Schon mal gehört? Oder vielleicht schon mal gesagt?


Bei der Recherche zu diesem Post, habe ich mich auf einigen Internetforen herumgetrieben und mir durchgelesen, was die Online-Welt so zum Thema „Definition: Hipster“ zu sagen hat.
Schließlich, soll man sich ja erst mal ein Bild machen, bevor man über irgendetwas herzieht, oder?

Von „Was ist ein Hipster?“ bis „Was muss ich anziehen um ein Hipster zu sein?“ gab es einige Fragen mit zugehörigen Antworten, die bei mir heftiges Lachen ausgelöst haben.
Vor allem die Frage in Testversion: „Wie groß ist dein Hipsterpotential?“

Zitiert man aber Wikipedia aus einem Artikel namens „Hipster (20. Jahrhundert)“, bekommt man schon einmal so etwas zu lesen:
„Der Hipster ist eine modernere, US-amerikanische Ausprägung des europäischen Bohemien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.“

Bohemien? Ja, klar, ich muss hier mal zugeben, dass ich schon eine kleine „Boho“-Affinität habe.
Aber das Modewort „Hipster“ soll Geschichte haben?
Also doch keine Hipster von morgen, oder wie?

Müsste ich aus dem Bauch heraus eine Definition geben, dann würde ich wahrscheinlich sagen: „Das sind doch die mit den spruch-bedruckten Jutebeuteln, die in grünen Parkas, Beanies und Nerdbrillen durch die Gegend laufen, und sich für originell und individuell halten.“

Aber auf den zweiten Blick könnte wahrscheinlich jeder von uns von sich sagen, er hält sich für originell und individuell.
Ist ja auch nicht schwer, das ist schließlich ein Grundbedürfnis des Menschen: Selbstverwirklichung.
Allerdings ist der gemeine „Hipster“ dabei auch noch – man glaubt es kaum – hip!

Was das jetzt genau heißen soll? Das weiß wohl keiner so genau.
Wikipedia weiß zumindest:
„Das diese Begriff für den Außenstehenden […] nicht völlig verständlich war, zeigt sich am besten in einer bekannten 'Definition', die der Jazz-Altsaxophonist Cannonball Adderley gegeben hat: 'Hipness is not a state of mind, it's a fact of life.'“
Aha.
Oder doch „hä“?
Wohl doch keine Selbstverwirklichung, denn die fällt für meine Definition schon unter „state of mind“ …
Alles zusammengeworfen würde das dann ja wohl geben: Man wird als Hipster geboren. Oder eben nicht.

Andere Definitionen werfen einfach alle Künstler, Musiker, Schriftsteller und Linksaktivisten in einen Topf und rühren dreimal um.
Die „Hipster (21. Jahrhundert)“ Version von - ja, schon wieder - Wikipedia fügt noch hinzu, dass er im 21. Jahrhundert ein Teil einer anti-mainstream Subkultur mit Szenenbewusstsein ist.


Aber damit hier nicht der Eindruck entsteht, Wikipedia wäre meine einzelne verlässliche Quelle, hab ich hier mal in einer Checkliste für den Hipster zusammengefasst was meine Forenrecherche so ergeben hat:
  • er ist individuell
  • er hört Arctic Monkeys (ups), oder intellektuelle Musik (was auch immer das sein soll)
  • er ist anti-mainstream (ehem, ja, deswegen gibt es auch so wenige …)
  • er trägt Klamotten die nicht zusammenpassen, die aber schön sind, H&M geht zur Not auch, so zwischen Gangster und Skater … [ … ] ← hier bitte alles einsetzen was es so gibt, Grenzen sind offensichtlich keine gesetzt
  • er raucht, vor allem kifft er
  • sowohl Männlein als auch Weiblein setzen auf androgyn und edgy
  • das Dreieck ist für ihn ein Nonplusultra
  • er ist faul und teilt die „Yolo-Mentalität“
  • er fährt ein altes Fahrrad mit 3-Gang-Schaltung und Rücktrittbremse
  • DIE GOLDENE REGEL: ein Hpster bezeichnet sich niemals selbst als Hipster!

Zuletzt habe ich – zu meinem großen Entzücken – noch eine Website gefunden, die anscheinend Extra für meine Recherche erstellt worden ist: hipsterhype.de
Das ist kein Scherz.

Und das erste was man liest, ist sinngemäß 'Hipster sind keine Unterhosen'. Gut, dass das jetzt geklärt ist.
Der Rest überfordert einfach nur noch heillos.
Ich zitiere: „das 'Hipstertum' [ist] in erster Linie eine Geisteshaltung“, „Zwar würde man es auf Grund des lässigen Styles der Hipster nicht vermuten, aber sie sind meinst sehr gebildet und haben einen Abschluss in Kunst, Mathematik oder anderen Wissenschaften und sind künstlerisch/kreativ sehr begabt.“, „Im Prinzip ist der Hipster ein individuelles Massenphänomen“

Das Ergebnis ist eindeutig:
Der Hipster ist ein Phantom.
Keiner will es zugeben, aber alle wollen es sein, doch was es ist, das weiß keiner.
Na toll.

Hier ignoriere ich einfach mal, dass ich den Hipster-Test tatsächlich bestanden habe, und schließe mit dem was wir alle an Hipstern eigentlich gut finden müssten, egal wie wir zu diesem Thema stehen: man kann auch über sie Witze reisen.





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