Donnerstag, 14. Februar 2013

Valentines Day

Jaaa ...
Ich persönlich halte ja nicht soooo viel vom Valentins Tag.
Nichts gegen kleine Aufmerksamkeiten oder sowas, aber wenn man dafür einen bestimmten Tag braucht, dann hat es eh nicht viel Aussagekraft ;)
Naja, die Konsumgesellschaft freut sich jedenfalls. Was soll's.

Trotzdem gibt's heute mal wieder eine meiner literarischen Glanzleistungen ;)
Inspiriert von Langeweile und Zügen, dem Radio und meinem iPod, und nicht wirklich ernst zu nehmen ;)
Passt sogar mit ein Bisschen biegen und brechen zum Thema.

 
*** 
 
WHITE WEDDING
 
Dunkelheit rast an mir vorbei.
Die U-Bahn rattert durch den Tunnel, als würde sie durch die Zeit reisen.
Eine kleine Zelle fernab von allem was real ist.
Du sitzt da und tust nichts. Starrst aus dem Fenster und siehst nichts.
Die Menschen um dich herum tun das Selbe.
Plötzlich schiebt sich eine Haltestelle zwischen die Tunnels. Mehr wie eine farbige Tapete, als ein Weg in die Freiheit.
Da steht sie. Sonst niemand. Warum steht da sonst niemand?
Verdammt, die Stöpsel in meinen Ohren spielen ein Song der so verdammt gut passt.
Es kommt mir vor, als würde sie zu dieser Musik tanzen, wie sie da allein auf diesem Bahnsteig langsam hin und her läuft, als wäre es wirklich ein total zeitferner Ort.
Sie sieht aus, als wäre sie feiern gewesen. Klar war sie feiern. Jeder der um diese Uhrzeit U-Bahn fährt war wahrscheinlich feiern. Ihre Schuhe stecken mit den Absätzen in ihrer Tasche.
Die Türen gehen auf, ein paar Leute steigen aus, sie steigt nicht ein.
Aber sie schaut.
Sie hebt ihren Kopf, und sieht mich an.
Das ist die Situation. Ein Mädchen, ein Typ, ein Blick.
Und ich weiß, dass sie das selbe denkt.
Das ist einer dieser Momente. Du bist allein, hast eine großartige Nacht hinter dir, du bist in diesem Moment einfach unglaublich selbstbewusst.
Und für den Bruchteil einer Sekunde kennst du den, der da in der U-Bahn sitzt, oder die, die da steht und auf die U-Bahn wartet. Ihr seid auf der selben Wellenlinie.
Ein Mädchen, ein Typ, mehr nicht.
Und dann schließen sich die Türen, der Song läuft weiter, und plötzlich ist die Zeitkapsel zur schmerzhaften Realität geworden, der Rest vielleicht ein Traum.
Während der nun nicht mehr zeitlose Wagen jetzt durch die Finsternis davon rast, weg von der einsamen Insel, und nur noch der Song den Moment ein bisschen weiter transportiert, merkst du, dass das Leben verdammt kurz ist.
Die Musik spielt noch lang in ihrem Kopf. Die Musik, die nur sie hören kann. In ihrem Kopf.
Als nur noch der stinkende Luftstoß als letzter Beweis für diesen Moment durch den Schacht zieht, ist die wärme des Untergrunds plötzlich verflogen. Sie fröstelt in ihrem Kleid, der Strumpfhose, die breite Laufmaschen zieht. Aber eine seltsam angenehme Melancholie zupft an ihrem Ärmel.
Das Leben ist kurz., denkt sie. Einfach so.
Das Leben ist wie eine U-Bahn. Sie bewegt sich ohne Rücksicht immer weiter.
Wir erleben, wir erinnern, wir vergessen.
Ein anderes Leben scheint von Zeit zu Zeit besser, als unser eigenes.
Und doch ist es manchmal unendlich Wertvoll.
Als es langsam hell wird, wacht sie auf. Ein Morgen von vielen.
Letzte nach verschmolzen mit einem Traum.
Die Erinnerungen beginnen bereits zu verwischen, doch etwas ist geblieben.
Es ist nicht viel, aber es ist genug.
Und sie denkt: It's a nice day, for a white wedding. It's a nice day, to start again.
  
 
 
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