Ich persönlich halte ja nicht soooo viel vom Valentins Tag.
Nichts gegen kleine Aufmerksamkeiten oder sowas, aber wenn man dafür einen bestimmten Tag braucht, dann hat es eh nicht viel Aussagekraft ;)
Naja, die Konsumgesellschaft freut sich jedenfalls. Was soll's.
Trotzdem gibt's heute mal wieder eine meiner literarischen Glanzleistungen ;)
Inspiriert von Langeweile und Zügen, dem Radio und meinem iPod, und nicht wirklich ernst zu nehmen ;)
Passt sogar mit ein Bisschen biegen und brechen zum Thema.
***
WHITE WEDDING
Dunkelheit rast an mir vorbei.
Die U-Bahn rattert durch den Tunnel,
als würde sie durch die Zeit reisen.
Eine kleine Zelle fernab von allem was
real ist.
Du sitzt da und tust nichts. Starrst
aus dem Fenster und siehst nichts.
Die Menschen um dich herum tun das
Selbe.
Plötzlich schiebt sich eine
Haltestelle zwischen die Tunnels. Mehr wie eine farbige Tapete, als
ein Weg in die Freiheit.
Da steht sie. Sonst niemand. Warum
steht da sonst niemand?
Verdammt, die Stöpsel in meinen Ohren
spielen ein Song der so verdammt gut passt.
Es kommt mir vor, als würde sie zu
dieser Musik tanzen, wie sie da allein auf diesem Bahnsteig langsam
hin und her läuft, als wäre es wirklich ein total zeitferner Ort.
Sie sieht aus, als wäre sie feiern
gewesen. Klar war sie feiern. Jeder der um diese Uhrzeit U-Bahn fährt
war wahrscheinlich feiern. Ihre Schuhe stecken mit den Absätzen in
ihrer Tasche.
Die Türen gehen auf, ein paar Leute
steigen aus, sie steigt nicht ein.
Aber sie schaut.
Sie hebt ihren Kopf, und sieht mich an.
Das ist die Situation. Ein Mädchen,
ein Typ, ein Blick.
Und ich weiß, dass sie das selbe
denkt.
Das ist einer dieser Momente. Du bist
allein, hast eine großartige Nacht hinter dir, du bist in diesem
Moment einfach unglaublich selbstbewusst.
Und für den Bruchteil einer Sekunde
kennst du den, der da in der U-Bahn sitzt, oder die, die da steht und
auf die U-Bahn wartet. Ihr seid auf der selben Wellenlinie.
Ein Mädchen, ein Typ, mehr nicht.
Und dann schließen sich die Türen,
der Song läuft weiter, und plötzlich ist die Zeitkapsel zur
schmerzhaften Realität geworden, der Rest vielleicht ein Traum.
Während der nun nicht mehr zeitlose
Wagen jetzt durch die Finsternis davon rast, weg von der einsamen
Insel, und nur noch der Song den Moment ein bisschen weiter
transportiert, merkst du, dass das Leben verdammt kurz ist.
Die Musik spielt noch lang in ihrem
Kopf. Die Musik, die nur sie hören kann. In ihrem Kopf.
Als nur noch der stinkende Luftstoß
als letzter Beweis für diesen Moment durch den Schacht zieht, ist
die wärme des Untergrunds plötzlich verflogen. Sie fröstelt in
ihrem Kleid, der Strumpfhose, die breite Laufmaschen zieht. Aber eine
seltsam angenehme Melancholie zupft an ihrem Ärmel.
Das Leben ist kurz., denkt sie. Einfach
so.
Das Leben ist wie eine U-Bahn. Sie
bewegt sich ohne Rücksicht immer weiter.
Wir erleben, wir erinnern, wir
vergessen.
Ein anderes Leben scheint von Zeit zu
Zeit besser, als unser eigenes.
Und doch ist es manchmal unendlich
Wertvoll.
Als es langsam hell wird, wacht sie
auf. Ein Morgen von vielen.
Letzte nach verschmolzen mit einem
Traum.
Die Erinnerungen beginnen bereits zu
verwischen, doch etwas ist geblieben.
Es ist nicht viel, aber es ist genug.
Und sie denkt: It's a nice day, for a
white wedding. It's a nice day, to start again.
***
Schöönes Gedicht zu einem besonderem Tag ... alles passt <3
AntwortenLöschen